Labortechnische Methoden

Treten solche Fälle von Wurzeleinwuchs auf, so hat der Geschädigte natürlich starkes Interesse daran zu wissen, wessen Baum den Wurzeleinwuchs verursacht hat. Verdächtige Bäume sind oft schnell gefunden. Gehört der verdächtige Baum dann der Gemeinde oder einem Nachbarn, so kann sich um diesen Wurzeleinwuchs schnell ein Streit entwickeln und nicht selten in einen juristischen Rechtsstreit münden. Zum einen, möchte der Geschädigte natürlich künftig solche Schadensereignisse vermeiden, zum anderen kann es unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein vom Baumbesitzer die Sanierungskosten einzufordern.

Natürlich stellt sich spätestens jetzt die Frage, wem der verdächtige Baum gehört, denn in vielen Fällen wird der Eigentümer des Baumes mit der Frage der Sanierungskosten konfrontiert werden.

In diesem Zusammenhang kamen manche Sachverständigen schon auf die Idee, zur Klärung solcher Streitfälle, das Kanalrohr bis zur Eintrittsstelle der Wurzeln aufzuschlagen und den Verlauf der Wurzel bis zum verursachenden Baum oder Gehölz zu verfolgen. Eine sehr grobe, teure und aufwendige Methode, die nur selten zum Erfolg führt. Meistens werden bei diesen groben Arbeiten die Wurzeln an der Eintrittsstelle abgerissen und eine Weiterverfolgung ist dann nicht mehr möglich.

Die Frage, zu welchem Baum eine gefundene und damit streitgegenständliche Wurzeln gehören kann smart, kostengünstig, schnell und effektiv labortechnisch beantwortet werden. Die Wurzeln können in einem Labor auf DNA-Ebene mit Hilfe eines PCR-Nachweises mit den umliegenden Bäumen verglichen werden. Diese Art der Untersuchung wird auch RFLP(=restriction fragment length polymorphism) oder „genetischer Fingerabdruck“ genannt.

Das genetische Profil eines bestimmten DNA-Sequenzabschnitts wird in einer vielschrittigen Untersuchung verglichen mit dem gleichen Sequenzabschnitt der verdächtigen Bäume. Kurz gesagt, der interessante DNA-Abschnitt wird mit Hilfe eines Enzyms millionenfach kopiert. Dann an bestimmten Stellen mit anderen Enzymen geschnitten, die ihre ganz genauen Bindestellen in diesem Abschnitt haben. Daraus ergeben sich zwangsläufig verschieden große Bruchstücke die im elektrischen Feld nach Größen aufgetrennt werden, da kleine Fragmente schneller laufen als große. Durch diese Auftrennung entstehen „Schnittmuster“ anhand derer der verursachende Baum oder das Gehölz identifiziert werden können. Durch solche spezifischen Muster können alle Organismen oder Teile davon miteinander vergleichen werden. Grund dafür ist, dass jeder Organismus in jeder seiner Zellen die gleiche DNA-Sequenz. Wurde ein Stück Wurzel abgetrennt vom schadenverusachenden Baum, so müssen sich daher die Muster von Wurzel und Baum zwingend gleichen. Stammt das Wurzelfragment nicht vom schadenverursachenden Baum, so gleichen sich die Muster von Wurzel und Baum nicht und der Baum kommt als „Täter“ nicht in Frage.

Zur Eingrenzung der Anzahl an Proben kann man als Faustregel davon ausgehen, dass Bäume und Gehölze im Umkreis von ca. 20 Metern um die Schadstelle herum als Verursacher in Frage kommen können. Dabei ist zu bedenken, dass der Durchmesser des Wurzelwerks, zumindest bei Laubbäumen,  in etwa dem Durchmesser der Krone entspricht meistens sogar noch darüber hinaus.

PCR-Proben werden zusammen mit einem Langenstandard auf ein Gel gebracht und unter elektronischer Spannung aufgetrennt, so dass sich die Fragmente nach ihrer Größe auftrennen. Von links nach rechts: 1. Längenstandard, 2. Wurzel, 3. Baum1, 4. Baum, 5. Baum, 6, negativ Kontrolle

Es handelt sich bei dem beschriebenen Nachweis um eine vergleichende Untersuchung, ähnlich dem klassischen Daumenabdruck einer erkennungsdienstlichen Behandlung. Untersucht man das genetische Material noch weiter, so ist es auch möglich auf Individuenebene eine Aussage zu treffen.

Diese Methode wird dann angewandt, wenn von einer Gattung mehrere Bäume im Umkreis um die Schadstelle stehen, wie beispielsweise bei einer Allee. Dann macht es, je nach Fragestellung, Sinn, die Bäume auf Individuenebene zu untersuchen.

Dieser genetische Fingerabdruck wird weltweit eingesetzt für die verschiedensten Fragestellung. Eines der größten Projekte ist es, diesen genetischen Fingerabdruck als eine Art Barcode zu verwenden und mit Hilfe von Datenbanken, dann Vergleiche ziehen zu können.

Nur in sehr wenigen Fällen ist es nicht möglich durch eine der genannten Methoden zu einer befriedigenden Antwort zu kommen wenn es darum geht, den Baum eines Wurzeleinwuchses zu finden. Ist das Wurzelmaterial in einem abbauendem, kompostierenden Zustand, waren dünne Wurzelhaare bei der Lagerung lange UV-Strahlungen ausgesetzt, sind Proben von Schimmelpilzen durchsetzt oder vom anderen pflanzlichen Material wie Moos etc. überwuchert, so kann es im Einzelfall passieren, dass keine ausreichende DNA-Konzentration mehr aus der fraglichen Probe gewonnen werden kann und eine genetische Prüfung nicht mehr möglich ist.

Bei den vorgestellten Methoden handelt es sich um genetische Nachweise, die in der Mehrzahl der Fälle eine Antwort auf strittige Fragen liefern. Wie jede analytische Methode, so haben auch die hier genannten Methoden ihre Grenzen. In den allermeisten Fällen ist es jedoch möglich mit Hilfe von PCR-Nachweisen die DNA zwischen Wurzeln und Bäumen oder Gehölzen abzugleichen und einen möglichen Baum ein- oder auszuschließen. Zu solchen Fragestellungen gibt es immer häufiger gerichtliche Auseinandersetzungen, die sich über mehrere Jahre hinziehen, weil es nicht möglich ist, die Identität der streitgegenständlichen Wurzeln zu ermitteln. Durch smarte molekularbiologische Verfahren, wie die PCR, lassen sich langwierige gerichtliche Auseinandersetzungen in der R