Was macht der Baum in meinem Bad?
Wir hatten ja schon einige kuriose Fälle zu bearbeiten. Einer der ungeheuerlichsten Fälle war allerdings folgender:
Eine Familie lebt in einem älteren Haus mit einem schönen großen Garten ringsherum. Das Mauerwerk ist porös. Eines Tages bemerkt die Familie, dass die Toilettenspülung nicht mehr so funktioniert wie sie sollte. Es handelte sich dabei noch um einen klassischen Aufputzspülkasten. Die Spülung brachte kaum Wasser hervor. Nach einiger Zeit des Überlegens öffnete der Hausbesitzer den Spülkasten und traute seinen Augen nicht….
Der komplette Spülkasten war voll mit Wurzeln. Wurzeleinwuchs in einem Spülkasten. Das war ziemlich unglaublich. Der Baum hat auf der Suche nach Wasser dort eine schwache Stelle gefunden. Aus nicht erklärlichen Gründen war es dem Baum möglich durch das poröse Mauerwerk durch die Rückseite des Spülkastens dort einzuwurzeln und sich des Wassers dort zu bedienen.
Wurzeln können bereits im Kleinen eine große Kraft entfalten mit der sie Baumaterialien zur Seite drücken können oder anderweitig durchbohren. Ein Baum zu nah am Haus kann in der Tat Probleme mit sich bringen. Die größte Gefahr ist, dass der Boden auf dem das Haus steht austrocknet durch die Saugleistung der Wurzeln und der Gebäudekörper absackt. Das kommt immer wieder vor.
Daher, wer einen Baum pflanzt sollte sich vorher erkundigen, wie groß der Baum werden kann, welchen Durchmesser die Krone bekommt und wie weit die Wurzeln sich verzweigen können. Bei der Weide sind es übrigens bis zu 40 Meter. Also, Augen auf beim Kauf!
Das Wäldchen
Völlig unerwartet erhielten wir ein dicke Gerichtsakte mit der Aufforderung Licht ins Dunkel zu bringen. Zwei Nachbarn hatten einen Streit, das kennt man irgendwie. Sie stritten wich über einen Wurzeleinwuchs. Nachbar A hatte an seinem Zaun zu Nachbar B ein paar Bäume gepflanzt. Im Laufe der Jahre hat sich das zu einem kleinen Wäldchen entwickelt. Nachbar B hatte inzwischen einen Wurzeleinwuchs in seinem Kanal bemerkt. Davon wollte Nachbar A nichts wissen. Man stritt sich und landete letztlich vor Gericht.
Als wir den Fall bekamen lagen bereits sieben Jahre hinter den beiden Streithähnen. Niemand konnte bis zu diesem Zeitpunkt sagen, welche Wurzeln es waren, die hier einwurzelten. Ein Sachverständiger hatte die Idee den Kanal komplett aufzureissen, um zu sehen, wohin die Wurzeln laufen. Dann hätte man den „Täter“. Ihr ahnt es schon. Das Experiment ging schief. Die Wurzeln rissen ab, noch bevor klar war, wohin sie gehört.
Das war wohl der Zeitpunkt als es der Richterin zu bunt wurde. Sie kam auf uns uns beauftragte uns, den Fall mit Hilfe von DNA zu lösen. Das dauerte genau 3 Wochen, dann war klar, welcher Baum seine Wurzeln in das Grundstück von Nachbar B eingewurzelt ist. Uns hat es natürlich gefreut, dass wir hier innerhalb weniger Wochen dem Gericht zu einer Entscheidung verhelfen konnten.
Wurzeln kennen keine Grenzen
Wurzeln kennen keine Grenzen – und genau deshalb entstehen immer wieder Schäden an unterirdischer Infrastruktur. Wenn Leitungen, Kanäle oder Schächte betroffen sind, stellt sich schnell die Frage nach dem Verursacher. Wir haben uns auf die genetische Untersuchung von Wurzeln spezialisiert, die in unterirdische Infrastruktur eingewachsen sind, denn nur eine eindeutige Analyse schafft Klarheit. Mit modernen DNA-Verfahren erstellen wir einen genetischen Fingerabdruck der eingewachsenen Wurzeln, sodass wir die verursachende Pflanzenart zweifelsfrei identifizieren.
In einem aktuellen Fall reichte uns ein Sachverständiger zwei Wurzelproben ein, nachdem diese in mehreren Metern Tiefe aus einer betroffenen Leitung geborgen wurden. Wir führten die Analysen sorgfältig durch und dokumentierten jeden Schritt, damit Transparenz und Nachvollziehbarkeit jederzeit gewährleistet bleiben. Anschließend verglichen wir die genetischen Profile mit unseren Referenzdatenbanken, sodass wir eine belastbare Zuordnung vornehmen konnten.
Damit hat niemand gerechnet
Das Ergebnis überraschte alle Beteiligten: Beide Proben stammten eindeutig von einem sogenannten Schmetterlingsflieder. Der Schmetterlingsflieder, botanisch als Buddleja spp. bekannt, gilt zwar als beliebter Zierstrauch, doch seine Wurzeln wachsen kräftig und zielgerichtet. Gerade deshalb kann diese Art in seltenen Fällen auch in größere Tiefen vordringen. Dennoch rechnete in diesem Fall niemand mit dieser Ursache.
Große Skepsis
Der Sachverständige zeigte sich zunächst skeptisch, denn auf dem betreffenden Grundstück war kein Schmetterlingsflieder bekannt. Zudem standen zwei andere Bäume im Verdacht, für das Wurzelwachstum verantwortlich zu sein. Er äußerte daher die Sorge, wir könnten Proben verwechselt haben. Doch DNA-Nachweise lügen nicht. Unsere Analyse basiert auf klar definierten genetischen Markern, und wir arbeiten mit strengen Qualitätskontrollen, sodass Verwechslungen ausgeschlossen bleiben.
Um absolute Gewissheit zu erlangen, veranlasste der Sachverständige schließlich das Umpflügen des Grundstücks. Diese Entscheidung traf er, weil er die Ursache zweifelsfrei klären wollte. Dabei stieß man in einer Tiefe von drei bis vier Metern tatsächlich auf zwei Wurzelstücke des Schmetterlingsflieders. Von deren Existenz hatte zuvor niemand Kenntnis. Dennoch bestätigte der Fund exakt das Ergebnis unserer genetischen Untersuchung.
Lösung des Falls
Der Sachverständige informierte uns im Anschluss fairerweise über diesen überraschenden Fund. Dadurch zeigte sich, wie wichtig objektive und wissenschaftlich fundierte Wurzelanalysen sind. Ohne den genetischen Fingerabdruck hätten möglicherweise zwei unbeteiligte Bäume gefällt werden können, obwohl sie mit dem Schaden nichts zu tun hatten. Dank der DNA-Analyse ließ sich jedoch der tatsächliche Verursacher identifizieren und eine Fehlentscheidung vermeiden.
Unsere Arbeit verbindet moderne Molekularbiologie mit praxisnaher Schadensanalyse, sodass wir Eigentümern, Versicherungen und Gerichten belastbare Entscheidungsgrundlagen liefern. Denn gerade bei Konflikten rund um eingewachsene Wurzeln zählt ein eindeutiger Nachweis. Wer Wurzeln in unterirdischer Infrastruktur untersuchen lassen möchte, profitiert daher von einer genetischen Analyse – und erhält Klarheit, bevor falsche und irreversible Maßnahmen erfolgen.
